Wüstenstrom von Desertec
Bereits seit einigen Wochen ist der Name Desertec immer wieder in den Medien zu lesen, doch kaum jemand versteht worum es bei diesem Projekt eigentlich genau geht. Zu groß und futuristisch scheinen die Pläne der beteiligten Unternehmen zu sein.
Trotzdem könnte Desertec die Technik der Zukunft sein, und uns dabei helfen, im Klimaschutz einen entscheidenden Schritt weiter zu kommen. Eigentlich erscheint der Plan, welcher kontrovers diskutiert wird, sehr einfach. Ob er aber auch so leicht umzusetzen sein wird, kann bisher noch kaum beurteilt werden.
Bei Desertec handelt es sich um ein Projekt, dessen Ziel es ist, einen Großteil des weltweit benötigten Stromes mit Hilfe von Solarkraftwerken in der Wüste, also da wo die Sonne am häufigsten und stärksten scheint, zu erzeugen und dann in verschiedene Länder zu importieren. Rein technisch wäre zumindest der Bau solcher Anlagen auch jederzeit möglich. Hierzu würden die Initiatoren des Projektes Solarkraftwerke in den Wüsten, unter anderem der Sahara errichten, deren erzeugter Strom zuerst den Ländern zu Gute kommen soll, in denen er auch gewonnen wird. Erst später will man den Export der Energie mit Hilfe eines internationalen Leitungsnetzes in Angriff nehmen.
Ob dies jedoch gelingt hängt nur zu einem sehr kleinen Teil von der Technik ab, was Kritiker unweigerlich auf den Plan ruft. Vor allem in der politischen Instabilität der afrikanischen Länder sehen diese die Gefahr für diejenigen, die Strom auf diesem Wege einkaufen möchten. Kommt es vor Ort zu Konflikten, könnte ein Export des Stromes, beispielsweise nach Europa ohne weiteres sehr schnell unterbrochen werden.
Anders wie bei Gas und Öl, würde die Bevölkerung jedoch einen Mangel in der Versorgung mit Elektrizität sofort zu spüren bekommen, da Strom nicht gespeichert werden kann, sondern dann verbraucht werden muss, wenn er auch erzeugt wird. Einige Hersteller haben bereits stromspeichernde Geräte entwickeln lassen – Neue, speziell für diese Region entwickelte Generationen von LG Waschmaschinen können so nun bis zu 3 KWH Strom speichern. Weitere Hersteller ziehen diesem Trend nach und entwickeln spezielle stromspeichernde Endgeräte.
Gegner des Projektes Desertec kritisieren die hohen Kosten, die für die Realisierung eines solchen Projektes von irgendjemand getragen werden müssen. Hier kann nicht nur die Regierung in der Pflicht sein, welche sich jedoch bereits bereiterklärte, zumindest politische Unterstützung zu leisten und möglicherweise zinsgünstige Darlehen heraus zu geben um den Bau der Anlagen zu finanzieren.
Die derzeit an Desertec beteiligten Unternehmen, unter anderem E.ON, RWE, Münchner Rück und die Deutsche Bank, rechnen für die Realisierung, welche frühestens in sechs Jahren beginnen soll, nach ersten Schätzungen mit Gesamtkosten von 400 Milliarden Euro, die bis zum Jahre 2050 aufgebracht werden müssten. Im Gegenzug dazu, würde jedoch bis zum selben Zeitpunkt 15% des europäischen Strombedarfes bereits aus diesen Anlagen gedeckt. Sie betonen hierbei vor allem die Tatsache, dass Strom in diesem Fall nicht nur ohne Belastung für die Umwelt, sondern auch sehr preisgünstig gewonnen werden könnte.
Wie sich das Projekt weiter entwickeln wird, scheint jedoch noch sehr unklar. Bisher wurde lediglich ein erstes Ziel festgesetzt, dem zu Folge innerhalb der nächsten drei Jahre Pläne für den Bau einer ersten Anlage vorgelegt werden sollen.
